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27.03.2013
Jetzt die Ärmel aufkrempeln
Frühlingssonne füllt Vitamin-D-Speicher

Frühlingssonne | FOTO: DPA

Manche sehen im Vitamin D ein neues Wundermittel. Es soll uns 100 Jahre alt werden lassen, vor Krebs schützen und vieles mehr. Und um das zu erreichen, müssen wir noch nicht einmal gesund essen, sondern brauchen nur faul in der Sonne zu liegen.

Nichts leichter als das, sollte man meinen, denn nach einem langen, trüben Winter locken uns die ersten Sonnenstrahlen doch sowieso vor die Tür. Offensichtlich lässt sich jedoch nicht jeder locken und außerdem gibt es da noch die Hautärzte. Die warnen seit Jahrzehnten vor zu viel Sonne, um das Hautkrebsrisiko zu senken. Manche raten sogar, die Sonne möglichst ganz zu meiden und stattdessen Vitamin D als Tablette zu schlucken. Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte.

Richtig ist: Vitamin D ist zwar ein Vitamin, aber nicht im klassischen Sinne. Denn laut Definition kann der Körper Vitamine nicht selber bilden, muss sie also täglich mit der Nahrung erhalten. Das stimmt für das Vitamin D so nicht. Es wird zu 80 bis 90 Prozent in der Haut hergestellt, und zwar mit Hilfe der UVB-Strahlen aus dem Sonnenlicht. Lediglich 10 bis 20 Prozent stammen aus Lebensmitteln, vor allem tierischen wie fetten Fischen (Lachs, Hering, Makrele).

Richtig ist außerdem: Vitamin D ist nicht nur sehr wichtig für stabile Knochen in allen Lebensphasen, sondern hat darüber hinaus noch viele weitere Wirkungen. Seit einigen Jahren werden diese intensiv erforscht. Eine Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), zu der auch Dr. Jakob Linseisen vom Institut für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum München gehört, hat die derzeitige wissenschaftliche Datenlage unter die Lupe genommen. Dabei kam heraus: Eine gute Vitamin-D-Versorgung kann bei älteren Menschen das Risiko für Stürze, Knochenbrüche, Kraftverlust, Mobilität und vorzeitigen Tod senken. Nicht belegt ist jedoch bisher, dass Vitamin D vor Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus Typ 2 schützt. Weitere Studien, die zum Teil schon laufen, werden neue Erkenntnisse bringen.

Vitamin D stärkt die Knochen

Richtig ist drittens: Nicht alle Menschen in Deutschland sind optimal mit Vitamin D versorgt: Circa 60 Prozent erreichen die Empfehlungen der DGE nicht, die im letzten Jahr wegen der neuen Erkenntnisse angehoben wurden. Circa 15 bis 20 Prozent haben sogar einen richtigen Vitamin-D-Mangel. Das bedeutet jedoch nicht, dass nun ein Großteil der Deutschen Vitamin D in Pillenform schlucken muss. Vielmehr sollten sich die Menschen das Problem erst einmal bewusst machen, um dann ganz gezielt ausreichend Zeit an der Sonne zu verbringen, wenn dies möglich ist und sie es bisher nicht gemacht haben.

Das Gute am Vitamin D ist, dass es der Körper über Monate speichern kann. "Wer im Sommer ausreichend Vitamin D tankt, kommt damit gut über den Winter", bestätigt Jakob Linseisen. Zwar tut ein Spaziergang auch im Winter gut, für die Vitamin-D-Versorgung bringt er aber nichts. Die schräg stehende Sonne - vorausgesetzt sie scheint überhaupt - lässt kaum UVB-Strahlen an unsere Haut, die für die Bildung von Vitamin D nötig sind. Das ändert sich dann erst wieder im März oder April. Jetzt heißt es also raus an die Sonne.

An dieser Stelle könnte der Konflikt der Ernährungsfachleute mit den Hautärzten beginnen. Muss er aber nicht, wenn Maß gehalten wird. Dazu gibt es konkrete Empfehlungen, wie lange man zum Beispiel zwischen 12 und 15 Uhr an die Sonne gehen sollte bzw. darf, um genug Vitamin D zu bilden, aber keinen Sonnenbrand zu riskieren. Sie wurden von der DGE zusammen mit dem Bundesinstitut für Risikobewertung und dem Max-Rubner-Institut herausgegeben und berücksichtigen die verschiedenen Hauttypen. Denn ein sehr hellhäutiger Mensch bildet in kürzerer Zeit mehr Vitamin D als ein dunkelhäutiger Mensch, bekommt dafür aber auch schneller einen Sonnenbrand.

Seit einigen Jahren gibt es einen regelrechten Vitamin-D-Hype, denn das Vitamin wird weltweit intensiv erforscht. Doch längst nicht alle Hoffnungen haben sich erfüllt. Bewiesen jedoch ist: Wer die Sonne in Maßen genießt, bildet ausreichend Vitamin D und stärkt seine Knochen.


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