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25.03.2013
Prävention statt Operation
Wirbelsäulenspezialist: Viele Rücken-Operationen sind vollkommen überflüssig

Leiden verhindern | Foto: SWR/Holzleiter

Ich habe Rücken!" - was der Komiker Hape Kerkeling so treffend in einem Satz formuliert, kennen Millionen leidensgeplagte Menschen nur zu gut. Denn mittlerweile ist jeder zweite Arztbesuch auf ein Rückenleiden zurückzuführen!

Das Problem: Ärzte raten oft schnell zu invasiven Eingriffen, so Marianowicz, ohne vorher eine eindringliche Ursachenforschung vorzunehmen. "Röntgen- und CT-Aufnahmen sind zwar schnell gemacht und beruhigen den Patienten, liefern jedoch keine gesicherte Diagnose", mahnt der Spezialist. "Denn Schmerzen sind nicht auf Bildern sichtbar. Die Ursachen für Rückenleiden haben oft vielerlei Ursachen und sind längst nicht so eindeutig identifizierbar wie zum Beispiel ein Knochenbruch."

Die Folge: Bei manchen Ärzten sitzt das Skalpell zu locker. So werden pro Jahr rund 400.000 Rücken- OPs durchgeführt, von denen nicht nur 80 Prozent unnötig sind, sondern 40 Prozent gänzlich erfolglos bleiben. Patienten sollten sich im Hinblick auf eine OP daher unbedingt eine zweite Expertenmeinung einholen.

Eine konservative Therapie würde neun von zehn Patienten Hilfe verschaffen, sofern diese erst zum Einsatz käme. Dr. Marianowicz ist überzeugt davon, dass 90 Prozent der Bandscheibenvorfälle innerhalb von zehn bis zwölf Wochen von selbst ausheilen. Orthopäden, die am Wohl des Patienten interessiert sind, bemühen sich deshalb zunächst um eine nicht- bzw. minimalinvasive Behandlung, bevor sie zum Messer greifen.

So lassen sich hohe gesundheitliche Risiken für Patienten und noch höhere finanzielle Belastungen vermeiden, die Operationen mit sich bringen. Erstrebenswert ist eine individuell auf die Bedürfnisse des Patienten sowie die Ursachen seines Rückenleidens angepasste Therapie. Erfahrungen der Experten belegen, dass sich bei der Mehrheit der Patienten auch so der gewünschte Erfolg einstellt.

Damit Rückenbeschwerden gar nicht erst auftreten, ist ausreichend Bewegung das Maß aller Dinge. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass nur Sport wirksam ist. Wichtig ist vor allem, dem Rücken bewusst etwas Gutes zu tun.

Hier setzt ergänzend das Konzept der Aktion Gesunder Rücken an. Das Ziel: Ganzheitliche Aufklärung über die fundamentalen Bausteine für die effektive Prävention von Rückenleiden, mit dem Schwerpunkt "Verhältnisprävention".Die AGR nimmt alle Alltagssituationen genau unter die Lupe und gibt hilfreiche Tipps für jeden, egal ob groß oder klein, jung oder alt. Die AGR zertifiziert besonders rückenfreundliche Alltagsprodukte mit dem AGR-Gütesiegel, welches von Öko-Test mit "sehr gut" bewertet wurde. Ausschließlich das Urteil einer unabhängigen, interdisziplinär zusammengesetzten medizinisch-therapeutischen Expertenkommission, entscheidet über die ergonomische Qualität eines Produktes. So haben Verbraucher die Möglichkeit sich bewusst für gesundheitsfördernde Produkte, wie beispielsweise Möbel, Autositze, Sportgeräte, Schuhe und Bettsysteme zu entscheiden.

Der Grundstein zur Prävention von Rückenschmerzen ist ein aktiv gestalteter Alltag. Dazu gehören auch Spaziergänge, Unternehmungen mit sozialen Kontakten und wohlverdiente Entspannungsphasen. Aktivitäten, die wir in vollen Zügen genießen, sind durchaus auch für die Rückengesundheit förderlich.

Diesem Aspekt wurde in der Vergangenheit jedoch nur selten angemessene Beachtung geschenkt. Doch das soll sich jetzt ändern: Rückenschulen formatieren sich neu und plädieren für einen ganzheitlichen bio-psychosozialen Ansatz.

Den Alltag aktiv gestalten

Das heißt für Teilnehmer der "Neuen Rückenschule", dass nicht mehr nur die Stabilisierung der Rückenmuskulatur und Haltungskorrekturen im Mittelpunkt stehen, sondern auch die Motivation für eine aktive Freizeitgestaltung, die Minimierung von Stressfaktoren im Alltag sowie dem bewussten Genusstraining. Dieser neue Schwerpunkt setzt auf gezieltes Erholen und Genießen mit ausreichend Bewegung.

Eine Evaluierungsstudie prüft derzeit die Wirksamkeit der "Neuen Rückenschule". Ihr Kernziel: Die Stärkung der psychischen und psychosozialen Gesundheitsressourcen. Die Studie liefert in ihren ersten Auswertungen den Beweis, dass sich die durchschnittliche Schmerzintensität der Patienten bereits nach drei Monaten reduziert.

Ebenso konnten positive Entwicklungen bezüglich funktioneller Beeinträchtigungen und motorischer Grundfertigkeiten erzielt werden.

In der Praxis zeigt sich beispielsweise, dass eine Aktivität, welche nicht nur den Ausgleich zum bewegungsarmen Berufsalltag schafft, sondern noch dazu ein persönliches Hobby darstellt, häufig eine viel positivere Wirkung auf die Gesundheit hat, als ein rein sportives Training.

Der psychologische Nutzen ist deutlich größer, als wenn ein Sportmuffel sich ins Fitnessstudio zwingen würde. Aktive rückenfreundliche Garten-, Haus- oder Handwerksarbeiten sowie das Radfahren oder Wandern können Sporteinheiten durchaus ersetzen bzw. ergänzen und bilden so die optimale Symbiose von Freizeit und Sport.

Besonders förderlich sind Aktivitäten in Gemeinschaften, da sie die Lebensqualität steigern. Ein gut funktionierendes soziales Umfeld fördert zusätzlich den aktiven Austausch von Körperwahrnehmungen und -erfahrungen. Auf dieselbe Art und Weise können auch Stresserfahrungen gemeinsam erörtert werden, so dass Betroffene zukünftig gelassener und flexibler auf neue Stresssituationen reagieren können.

Allein in Deutschland werden jährlich rund 400.000 Rückenoperationen durchgeführt, Tendenz steigend. Laut dem Münchener Wirbelsäulenspezialisten Dr. Martin Marianowicz hat sich die Zahl der Operationen von 2005 bis 2010 mehr als verdoppelt. Dabei seien 80 Prozent der Operationen überflüssig. Seine Überzeugung: "Die meisten Rückenleiden heilen von selbst aus." Doch was hilft, wenn der Rücken schmerzt? Und wie beugt man Rückenschmerzen effektiv vor? Die Aktion Gesunder Rücken (AGR) präsentiert neue Erkenntnisse. 


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