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16.10.2012
Besser als Spritze oder Operation
Multimodale Schmerztherapie hat bei Rückenschmerzen höchste Effektivität

Bitte keine Spritze | FOTO: DPA

Die Experten analysierten Abrechnungsdaten aus den Jahren 2006 bis 2010, um herauszufinden, wie sich die Leistungsausgaben nach der Behandlung entwickelten. Ihr Fazit: Eine multimodale Schmerztherapie ist gegenüber Operationen oder einer Injektionstherapie sowohl aus medizinischer als auch aus ökonomischer Sicht am effektivsten.

Das gilt auch, obwohl diese Schmerztherapie vor allem wegen ihrer hohen Behandlungsintensität bei mindestens 100 Therapiestunden zunächst hohe Kosten verursacht. Gerade Versicherte, die noch nicht berentet sind, profitieren jedoch, weil ihre Arbeitsfähigkeit erhalten bleibt. Für sie sinken die Leistungsausgaben in den Folgejahren. Allerdings erhalten nur sehr wenige Patienten eine multimodale Schmerztherapie, gerade einmal 0,15 Prozent.

Im Gegensatz dazu scheint die am häufigsten angewandte Injektionstherapie weniger effektiv zu sein. Die Leistungsausgaben für so behandelte Patienten steigen über die Jahre kontinuierlich. Die Autoren der Barmer GEK verweisen auf aktuelle wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass wiederholte Injektionstherapien nicht zu einer Verbesserung von Schmerzerkrankungen geführt hatten. Auf Dauer beschleunigten sie sogar die Chronifizierung von Schmerzen. Daher erscheine eine alleinige Anwendung dieser Therapieform weder medizinisch noch ökonomisch erstrebenswert.

Operationen seien dagegen offenbar vor allem für jüngere Patientinnen und Patienten eine Option, bei denen Nerven oder Rückenmark gequetscht werden. Medizinischer Aufwand und finanzieller Nutzen stünden gerade bei Operationen in einem sehr günstigen Verhältnis. Weil sich laut Studien bei bis zu 70 Prozent der Patienten nach der Operation ein chronischer Schmerz entwickeln kann, komme es aber gerade hier auf eine korrekte Indikationsstellung an. Dies gelte umso mehr, als die Daten belegen, dass Wirbelsäulenoperationen weiter massiv zunehmen.

So wurden 2006 lediglich 65 von 100.000 Versicherten an der Bandscheibe operiert, 2010 waren es bereits 90. Die Kosten stiegen im gleichen Zeitraum von 4.780 Euro auf 5.320 Euro je Krankenhausfall.

Dass Rückenschmerzen nicht nur für die Patienten, sondern auch für die Krankenversicherungen als Kostenträger eine hohe Bedeutung haben, zeigt sich nach Ansicht der Autoren allein schon daran, dass im Jahr 2008 37 Prozent Versicherten mindestens in einem Quartal mit Rückenschmerzen zu kämpfen hatten. 12 Prozent wurden sogar das ganze Jahr über deswegen ärztlich behandelt.

Dabei unterscheiden sich die Fallkosten unter den häufigsten Therapien deutlich: Am teuersten sind die Operationskosten, die 2009 rund 7.060 Euro je Fall ausmachten. Für die Schmerztherapie wurden stationär rund 3.500 Euro vergütet. Für die vor allem ambulant genutzte Injektionstherapie wurden pro Quartal und Fall 270 Euro (bei Unterstützung durch bildgebende Verfahren) aufgewandt. In jedem Fall sind die Kosten stark abhängig vom der Ursache der Rückenschmerzen und ihrer Chronifizierung.

Für ihre Analysen hatten die Autoren - Ursula Marschall, Helmut Lhoest und Andreas Wolik - die Daten von 107.000 Versicherten ausgewertet, sie nach den bei ihnen angewandten Behandlungen gruppiert und mit statistischen Methoden die sich stark unterscheidenden Gruppen vergleichbar gemacht.

Spritze, Operation oder multimodale Schmerztherapie - was hilft Patienten mit Rückenschmerzen am effektivsten? Dieser Frage widmeten sich Ärzte und Gesundheitsökonomen bei der Krankenkasse Barmer GEK.


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