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20.07.2012
Es gibt kein Patentrezept
NW-Treff zum Thema: "Krebs bei Angehörigen – wie können Freunde und Familie helfen?"

Eine Krebserkrankung ist für Patienten meistens ein Schicksalsschlag, der nur sehr schwer zu meistern ist. Angst, ja Verzweiflung und Fragen wühlen auf. Beim NW-Treff in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Bielefeld ging es in der Capella Hospitalis beim Thema "Krebs bei Angehörigen – wie können Freunde und Familie helfen?" konnten Bürger fragen. Der Leitende Oberarzt Dr. Stephan Probst und die Psychoonkologin Marion Windisch referierten und antworteten. Carsten Blumenstein berichtet.     

Dr. Stephan Probst hat viele Tipps parat, sagt aber auch: "Ein Patentrezept gibt es bei diesem wichtigen und schwierigen Thema nicht. Alle Beteiligten müssen ins Gespräch kommen, sonst bekommt man nicht heraus, was die einzelnen Personen fühlen und denken." Jeder müsse seine ganz persönliche Art der Unterstützung für einen Krebspatienten finden. Dies müsse aber in Abstimmung mit dem Erkrankten geschehen.

Diagnose Krebs – warum? Diese Frage stellen sich nicht nur die Patienten, auch die Angehörigen kommen aus der Schockstarre nur sehr schwer wieder heraus. Dr. Probst: "Erkrankte sollten Krebs als Schicksal akzeptieren – mit Blick nach vorne. Angehörige sollten sich schnell und ausführlich schlau machen: Je aufgeklärter man über die Krankheit und die Folgen ist, umso eher ist man in der Lage, den Kranken zu unterstützen."

Probleme gibt es nur mit der Überfrachtung von Informationen und ihrer Seriosität. Dr. Probst nennt zwei Beispiele: "Bei der Ernährung wollen viele Anbieter immer wieder den Eindruck vermitteln, dass es eine spezielle Krebsdiät gibt. Dies ist aber nicht der Fall. Wichtig ist eine abwechslungsreiche Ernährung. Man sollte neue Gewohnheiten ausprobieren, alles, um den Appetit anzuregen."

Die Alternativmedizin sei für ihn nichts Unanständiges. Wirkung und Sicherheit seien aber oft noch unzureichend untersucht. Daher sei Vorsicht geboten, so Dr. Probst.

Für die Diplom-Pädagogin und Psychoonkologin Marion Windisch ist das Arbeiten mit Krebspatienten und deren Angehörigen eine große Herausforderung. "Man muss herausfinden, was für diese Menschen das Richtige ist. Jeder Mensch geht mit Schocksituationen anders um", sagt sie. "Für mich gelten die drei großen Z: Zeit, Zuhören und Zuwendung." Nur so könne man Zugang zu den Patienten bekommen, so Windisch. Aus Angehörigensicht müsse auch nicht immer Optimismus vorherrschen: "Pessimismus ist ebenfalls erlaubt. Man muss nur den richtigen Mittelweg finden. Sich zurücknehmen, um dann im richtigen Moment da zu sein."

Die Psychoonkologie ist ein neues und junges Berufsbild der Psychotherapie, die sich mit den psychischen und sozialen Bedingungen, Folgen und Begleiterscheinungen einer Krebserkrankung befasst.

Dr. Probst fasst zusammen: "Man sollte Mut haben, offen und ehrlich zu sein. Als Angehöriger sollte man zudem darauf gefasst sein, ins Fettnäpfchen zu treten. Vorsicht bei Äußerungen ist geboten."


  • Wir gehören auch dazu! Informations- und Gesprächsangebot für Angehörige von Brustkrebspatientinnen im Klinikum Bielefeld.
  • Was? Um Sie bei der Bewältigung der Krankheit zu unterstützen, wurde ein Gesprächsangebot für Angehörige eingerichtet. Hierzu können sich Ehe-/Lebenspartner und Kinder der Patientin anmelden.
  • Wann? Gesprächsangebot dienstags von 17 bis 18 Uhr.
  • Wo? Ambulanz des Brustzentrums im Erdgeschoss des Klinikums Bielefeld Mitte.
  • Wer? Psychoonkologin Elke Nordholt und Diplompädagogin Aleksandra Gajewska.
  • Das Projekt "Wir gehören auch dazu!" wird von Susan G. KOMEN Deutschland e.V. finanziell gefördert.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zum Thema Krebs gibt der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband NRW unter der Internetadresse www.selbsthilfenetz.de.


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