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20.07.2012
Mein Wille geschehe
Als Patient hilft man Angehörigen und Ärzten mit detaillierten, immer wieder aktualisierten Wünschen

Ernstes Thema, entspannt diskutiert | FOTO: SARAH JONEK

Wie kann ich sicher sein, dass mein Wille als Patient beachtet wird, wenn ich ihn nicht oder nicht mehr selbst äußern kann? Eine Frage, die offenbar die Gemüter bewegt. Die Themen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht wurden jedenfalls beim NW-Treff mit dem Klinikforum des Evangelischen Krankenhauses ausführlich diskutiert. Es zeigte sich ein großer Informationsbedarf. Cornelia Schulze berichtet.  

Die Fragen, die sich im Zusammenhang mit der ärztlichen Behandlung bewusstloser Patienten ergeben, sind vielfältig und vielschichtig. Dabei spielt der Wunsch festzulegen, wie man behandelt werden möchte, wenn man das nicht mehr selbst entscheiden kann, für immer mehr Menschen eine wichtige Rolle. Das zeigte sich deutlich bei der Veranstaltung in der Ravensberger Spinnerei in Bielefeld, deren großer Vortragssaal mit mehr als 400 Zuhörern gefüllt war.

Die Motivation der Informationssuchenden brachte eine Besucherin auf den Punkt: "Ich möchte meinen Angehörigen nicht zumuten, in einem Notfall Entscheidungen für mich zu treffen. Das möchte ich selbst machen." Das Podium mit den Experten Dr. Klaus Kobert, klinischer Ethiker im EvKB, Professor Fritz Mertzlufft, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivtherapie, Notfall-, Transfusionsmedizin und Schmerztherapie am EvKB, und Fachanwalt Dr. Jürgen Löbbe blieben dem Publikum und Moderator Peter Stuckhard keine Antwort schuldig. 
Klaus Kobert erklärte zunächst in einem anschaulichen Vortrag, was es in einer Patientenverfügung oder einer Vorsorgevollmacht alles zu regeln gibt. Und das ist nicht wenig: Was ist eine Patientenverfügung? Was muss drinstehen? Wer hilft beim Verfassen? Wann tritt sie in Kraft? Wie erfährt im Ernstfall der Arzt von der Patientenverfügung? Im Einzelfall, so Klaus Kobert, ist "eine umfassende Beratung das A und O. Das Allerwichtigste ist dann aber, die Patientenverfügung sowie eine Vorsorgevollmacht tatsächlich abzuschließen und die Umsetzung nicht immer vor sich her zu schieben", erklärte Kobert, der selbst schon vor Jahren seinen Patientenwillen für den Ernstfall niedergeschrieben hat und in regelmäßigen Abständen das Schriftstück aktualisiert – ein weiterer wichtiger Punkt.

"Wenn wir so etwas vorliegen haben, fällt es uns Ärzten leichter, die richtigen Entscheidungen für den Patienten zu treffen, vor allem auch, damit leben zu können", verdeutlichte Professor Mertzlufft die Situation der behandelnden Ärzte, die im Notfall unter Zeitdruck alle Verantwortung auf sich nehmen. "In akuten Fällen hat der Patient die Unterlagen nicht dabei. Da geht es erst mal für uns Ärzte darum, das Leben zu retten", erklärte Mertzlufft seine ärztlichen Prioritäten. Doch wie geht es weiter, wenn der Betroffene seinen Willen nicht mehr äußern kann? "Wenn die Angehörigen und auch der Hausarzt über die Wünsche des Betroffenen informiert sind, können wir diesen entsprechen", so Mertzlufft, der aus seiner Praxis anschaulich den Entscheidungsdruck der Mediziner im Notfall beschrieb.

Info
Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht stellen sicher, dass im Ernstfall alles so geregelt wird, wie man es sich wünscht. Denn jeder kann plötzlich in eine Situation kommen, in der er nicht mehr allein entscheiden kann.

Eine umfassende Beratung ist die beste Voraussetzung, um eine eigene Willenserklärung für Notfälle festzulegen. Nur umsetzen muss jeder diesen Schritt ganz alleine. 

Ausführliche Informationen gibt es unter: 


"Da sind wir Juristen besser dran", gestand Dr. Jürgen Löbbe, der an diesem Abend sehr gefragt war. Insbesondere beim Thema Vorsorgevollmacht, durch die man eine Person seines Vertrauens beauftragt, stellvertretend für einen selbst zu handeln, zu entscheiden und Verträge abzuschließen. "Kann ich so eine Vorsorgevollmacht wieder entziehen?" war zum Beispiel eine wichtige Frage aus dem Publikum. "Sie können und Sie sollten es auch, wenn in Ihnen Zweifel an der Person kommen, der sie diese Vollmacht übertragen haben. Außerdem können Sie auch den Inhalt ändern. Sie bestimmen, was sie geregelt haben möchten, und es gilt für die Vorsorgevollmacht wie auch für die Patientenverfügung: Je detaillierter Sie alles aufgeschrieben haben, umso besser", machte Löbbe mit Nachdruck deutlich. 
Wie sieht es mit der Gültigkeit von Patientenverfügungen bei demenzkranken Menschen aus? Ist es rechtlich erlaubt, bei einem Hochbetagten ohne richterliche Genehmigung die Ernährung einzustellen? Kann ich mich als Patient darauf verlassen, dass meine Patientenverfügung vom Arzt auch wirklich akzeptiert wird? Letztere, grundlegende Frage beantworteten Klaus Kobert und Friedrich Mertzlufft eindeutig: "Der Patientenwille gilt, wenn er klar ist und in der Situation anwendbar. Wir können Sie nur bitten, sich gut beraten zu lassen, detailliert Ihre Wünsche aufzuschreiben und diese immer wieder zu aktualisieren."




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