Wunschgeburten verlaufen unterschiedlich / Langfristig keine Entwicklungsunterschiede beim Baby
Spontan, schnell, möglichst schmerzfrei, sicher – so wünscht sich die Mehrzahl der Schwangeren die Geburt ihres Kindes. Dass dieser Verlauf manchmal eine Illusion bleibt, hat seine Gründe. Ein Kaiserschnitt wird nötig, wenn es dem Kind unter der Geburt schlechter geht, ein enges Becken die natürliche Geburt ausschließt oder die Lage des Kindes für den Weg durch den engen Geburtskanal ungeeignet ist. Abgesehen von diesen medizinischen Gründen gibt es eine weitere Indikation für eine "Sectio": Dann nämlich, wenn die Mutter den Kaiserschnitt will. Das ist bei sieben von hundert Frauen der Fall. Beim NW-Treff erklärte Dr. Sebastian Wojcinski, leitender Oberarzt der Frauenklinik des Franziskus Hospitals in Bielefeld, Vor- und Nachteile der Spontangeburt und des Kaiserschnitts. Christiane Bernert berichtet.
Hormone bewirken, dass das Gewebe der Schwangeren weich wird. Bei einem Kaiserschnitt ist das ein großer Vorteil. Dr. Sebastian Wojcinski erklärt: "Die Bauchdecke müssen wir aufschneiden, in die Gebärmutter machen wir aber nur ein kleines Loch. Der Rest wird entsprechend der Größe des Kindes gedehnt. Nach etwa fünf Minuten ist das Kind da." Während der Arzt die Wunde näht, liegt das Neugeborene bei seiner Mutter. "Der Vater kann mit in den OP", betont Wojcinski. Die Mutter kann schon nach zwei bis drei Stunden aufstehen.
Spontan oder Kaiserschnitt? "Die Frage, welcher Weg der bessere ist, lässt sich extrem schwer beantworten", sagt Wojcinski: "Die Wunschgeburt beschreiben Frauen in höchstem Maße individuell." Der Idealfall könnte so aussehen: Die Wehen beginnen zu Hause, in der Klinik werden sie heftiger, der Muttermund geht auf, das Kind bahnt sich selbstständig seinen Weg durch den Geburtskanal – und wenig später ist es da. Er könnte aber auch so aussehen: Die Schwangere kommt zum vereinbarten Termin in die Klinik, dort wird das Kind wie gewünscht per Kaiserschnitt entbunden.
Gynäkologen unterscheiden drei Arten von Kaiserschnitten: neben dem Wunschkaiserschnitt den geplanten und den ungeplante Kaiserschnitt. "Medizinisch notwendig ist die Sectio bei Frühgeburten vor der 34sten Woche, bei Drillingen, bei kindlichen Fehlbildungen oder bei ernsthaften Erkrankungen der Mutter", so Wojcinski. Eine Beckenendlage, bei der das Kind mit dem Po zuerst geboren wird, sei in einer kompetenten Geburtsklinik kein Grund für einen Kaiserschnitt, ebenso wenig Zwillinge. Auch eine Spontangeburt kann mit einem Kaiserschnitt enden, dann spricht man vom ungeplanten Kaiserschnitt. Durchgeführt wird er bei einem mangelhaften Geburtsfortschritt oder einer Notsituation des Kindes, zum Beispiel Sauerstoffmangel.
Immer öfter Kaiserschnitt
Bundesweit werden ein Drittel der Kinder per Kaiserschnitt entbunden. In den vergangenen ist diese Zahl mit dem zunehmenden Alter der Mütter kontinuierlich angestiegen: Während bei den 25 bis 34Jährigen nur jedes vierte Kind bei Sectio entbunden wird, ist es bei den 35 bis 44Jährigen jedes dritte Kind.
Jenseits handfester medizinischer Indikationen für einen Kaiserschnitt müsse der Geburtshelfer eine Balance finden zwischen einem möglichst minimalen Risiko für Mutter und Kind und dem Anspruchsdenken der Schwangeren, die sich aus Angst vor Schmerzen oder Sorge um ihre Sexualität einen Kaiserschnitt wünscht. "Das ist mitunter heikel und erfordert Sensibilität", weiß Wojcinski: "Eine Spontangeburt ist ein vollkommen natürlicher Vorgang, den wir selbstverständlich unterstützen. In letzter Konsequenz können wir einer Schwangeren den Wunsch nach einem Kaiserschnitt aber nicht verwehren."Wie ist die Verfassung des Kindes nach einer Spontangeburt, verglichen mit seinem Zustand nach einem Kaiserschnitt? "Langfristig sind bei den Kindern keine Entwicklungsunterschiede zu beobachten", berichtet der Geburtshelfer.