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19.01.2012
Mit Strahlen gegen den Schmerz
Niedrige Dosis wirkt entzündungshemmend bei Arthrose in den Gelenken

PD Dr. Oliver Micke und Pro. Dr. Martin Fein | FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Fünf Millionen Menschen haben in Deutschland Schmerzen und brauchen Hilfe. Unter Beschwerden in Rücken oder Gelenken leidet jeder einmal, wenn diese jedoch langandauernd sind, spricht man von chronischen Schmerzen – und die Betroffenen leiden erheblich. Abhilfe kann bei bestimmten Krankheitsbildern auch die Strahlentherapie schaffen, die bisher hauptsächlich als Krebstherapie bekannt ist.

PD Dr. Oliver Micke, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Bielefelder Franziskus-Hospital, hat beim NW-Treff der Reihe "Gesundheit persönlich" die Möglichkeiten der Strahlentherapie bei schmerzenden Knochen und Gelenken beschrieben. Claudia Bürmann berichtet.

Die Strahlentherapie, so Micke, kann bei Arthrosen an allen Gelenken wie Knie, Hüfte, Schulter und Fingern angewendet werden. Auch chronische Entzündungen wie Tennisellbogen, Fersensporn oder schmerzhafte Schultersteife können die Ärzte damit behandeln. Da es eine Standardleistung ist, übernehmen, zweite gute Nachricht, die gesetzlichen und privaten Krankenkassen die Kosten, wenn eine Überweisung vom Hausarzt oder niedergelassenen Facharzt vorliegt. Voraussetzung für eine Behandlung ist allerdings die Möglichkeit der Schmerzlokalisation, die Fibromyalgie kann daher beispielsweise nicht behandelt werden 

Allein beim Krankheitsbild Arthrose wird die Zahl der Betroffenen in Deutschland auf rund fünf Millionen geschätzt. Besonders betroffen sind über 60-Jährige. Dies führt in Deutschland dazu, dass Patienten im Zeitraum eines Jahres mehr als 300.000 künstliche Knie- und Hüftgelenke eingesetzt werden.

Strahlenthearapie als Alternative zu Medikamenten

Die Ursachen für langandauernde Schmerzen sind vielfältig wie auch die möglichen Therapien. "Bei hohem Leidensdruck suchen die Betroffenen nicht selten Hilfe bei unseriösen Anbietern, die Heilsversprechen machen und sie nicht einlösen können", bedauert Micke. Auch die gängigen Möglichkeiten der Schmerzbehandlung bringen nicht immer den gewünschten Erfolg oder führen zu unerwünschten Nebenwirkungen. Schmerz- und Betäubungsmittel können zu Folgeschäden insbesondere im Magen-Darm- Trakt führen, Kortison greift bei dauerhafter Einnahme die Haut an. Krankengymnastik und Physiotherapie sind manchmal ohne Erfolg, sodass die Ärzte letztlich operieren müssen.

In vielen Fällen können, durch wissenschaftliche Studien nachgewiesen, mit der Strahlentherapie Schmerzen gelindert oder ausgemerzt werden. Die Ursachen der Schmerzen, so Micke, kann jedoch auch die Strahlentherapie nicht aus der Welt schaffen. Eine abgeriebene Knorpelmassse im Kniegelenk beispielsweise bleibt blank. Andauernde Schmerzen können aber gelindert und mögliche Operationen so um Jahre verschoben werden.

Wichtig ist dies besonders bei künstlichen Gelenken, die nur eine gewisse Haltbarkeitsdauer haben. Nicht selten treten mit den neuen Gelenken – den Implantaten – neue Schmerzen auf. "Behandelt werden können diese auch mit der Strahlentherapie, die Quelle der Schmerzen kann jedoch nur schwer lokalisiert werden", meint Micke.

Geringes Risiko bei der Strahlentherapie

Wichtig zu wissen ist: Im Gegensatz zur Anwendung bei bösartigen Erkrankungen wird bei Entzündungen und an Gelenken mit einer sehr geringen Dosis (gemessen in Gray) bestrahlt. Die Wirkung der Strahlung wird in unterschiedlichen Theorien beschrieben, die einen Einfluss auf beispielsweise die Entzündungsvorgänge, das Nervensystem und das Gewebe beschreiben. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen insgesamt: Hohe Dosen lösen Entzündungen aus, niedrige Dosen hemmen Entzündungen.

Ein Risiko, durch die Strahlentherapie an Krebs zu erkranken, besteht jedoch, wenn auch nur gering. Raucht man 35 Zigaretten oder verbringt 50 Tage im luftverschmutzten New York, hat man ungefähr dasselbe Krebs-Risiko, so Micke.

Wegen der geringen Dosis von sechsmal 0,6 bis 1,0 Gray kann die Strahlentherapie nach einer Pause von zwei Monaten wiederholt werden, sollten die Schmerzen nach einer Behandlung wieder auftreten. Auch können mehrere Bereiche in einer Sitzung ambulant bestrahlt werden.

www.franziskus.de/medizin-pflege/klinik-fuer-strahlentherapie-und-radioonkologie.html


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