Sonnabend, 19.05.2012
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19.01.2012
Wie sicher sind Arzneien aus dem Netz?
Laut Weltgesundheitsorganisation sind bis zu zehn Prozent der im Handel befindlichen Medikamente gefälscht

Arzneimittel zum Schnäppchenpreis, anonym und ohne Rezept, das versprechen unseriöse Anbieter im Internet. Klingt doch gut, sagen sich viele Verbraucher. Mit fatalen Folgen für die Gesundheit. Laut WHO sind sieben bis zehn Prozent der im Handel befindlichen Medikamente gefälscht. Für mehr Sicherheit soll das "DIMDI-Siegel" des Deutschen Instituts für medizinische Dokumentation sorgen. Stefanie Terschüren berichtet.

Es ist leichtsinnig, ohne sich vorher über den Versender informiert zu haben, Medikamente im Internet zu bestellen. Diese können andere oder gar keine Wirkstoffe enthalten und unter Umständen tödlich sein. Viele geben sehr viel Geld für unnütze Dinge aus, möchten aber hier an falscher Stelle sparen", sagt Christiane Sieling, Amtsapothekerin der Stadt Bielefeld. 2006 starb in niedersächsischen Laatzen eine Schülerin, weil sie abnehmen wollte und sich im Netz ein nicht zugelassenes Präparat gekauft hatte, das schon bei geringer Überdosierung lebensgefährlich war. Nicht immer sind die Konsequenzen so schnell so dramatisch, aber wer über lange Zeit auf Selbstmedikation vertraut, kann seiner Gesundheit schaden. Gerade, wenn die Herkunft der Arznei unklar ist.

Anders sieht es bei seriösen Versendern aus. Christiane Sieling: "Bei einem behördlich zugelassenen Versender sehe ich kein Problem, zugelassene Medikamente zu bestellen." Gemeint ist das DIMDI-Siegel des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information. Es ist an eine behördliche Genehmigung gekoppelt. Für jede Apotheke, die eine Versanderlaubnis beantragt, ist eine andere Behörde zuständig. Für "Sanicare" in Bad Laer zum Beispiel die Apothekerkammer Niedersachsen in Hannover und für "Doc Morris" in Heerlen in den Niederlanden ist es die niederländische "Inspectie voor de Gezondheidszorg" in Hertogenbosch.

DIMDI-Siegel nicht fälschungssicher

"Das DIMDI-Siegel ist wichtig. Es sind allerdings auch schon Fälschungen aufgetreten. Dass es sich um ein echtes Siegel handelt, ist daran zu erkennen, dass es sich bei dem Anbieter um eine Apotheke mit einer realen Adresse in Deutschland handelt", so Christiane Sieling. Prof. Harald G. Schweim vom Lehrstuhl "Drug Regulatory Affairs" der Universität Bonn hingegen sieht auch das Siegel kritisch. Er sagt: "Das DIMDI-Siegel ist besser als nichts. Aber es gibt drei Schwachpunkte. Das Siegel ist leicht zu fälschen. Es ist schon gefälscht worden und es gibt kein Bewusstsein für Sicherheit, denn keiner kennt dieses Siegel." Schweim selbst hat vor zwei Jahren das Siegel mit legaler Software kopiert und auf eine fiktive DIMDI-Seite gestellt."An der Kritik hat sich nichts geändert. Was wäre erst möglich, wenn unter bösartigen Gesichtspunkten gehandelt wird?", fragt Prof. Schweim, räumt allerdings auch ein: "Mir ist kein Fall bekannt, nach der eine nach deutschem Recht zugelassene Versandapotheke in einen Skandal verwickelt wurde. Diese sind  aber im Vergleich zu ausländischen Anbietern nur wenige."

Verbraucherschützer wie die des Vereins Antispam (www.antispam-ev.de) haben eine eigene Liste erstellt, worauf Käufer achten sollten. Sie warnen vor Firmenbezeichnungen wie Canadian Pharmacy, European Pharmacy, Medipharm Services S.A. (pillendienst.com), pharma Enterprise Ltd., swizzpotenz.org und pharmatheke.com. Vorsicht auch vor unerwünschten Arznei-Angeboten, die per Mail, SMS oder Telefonanrufe angepriesen werden.

Unseriöse Anbieter können erkannt werden

Eine seriöse Versandapotheke sollte ein gültiges Impressum aufweisen, in dem Firmenname, Geschäftsführung, ladefähige Anschrift und Steuernummer genannt sind. Sie ist auch im Handelsregister zu finden und nennt die aufsichtführende Behörde. Steht unter Kontakt nur eine obskure Telefonnummer oder gibt es nur eine Briefkastenadresse wie "95 Wilton Road" in London oder "69 Great Hampton Street" in Birmingham, ist es besser, die Hände davon zu lassen. Das gilt auch für ominöse Angaben in Übersee, die niemand nachvollziehen kann. Domain-Abfragen können über Tools wie centralops.net getätigt werden.

Häufig stehen hinter den Anbietern international operierende Banden, die jährlich Milliardenbeträge umsetzen und mit dem Drogenhandel verglichen werden können. Testkäufe des Zentrallabors Deutscher Apotheker, die zwischen 2004 und 2009 regelmäßig getätigt wurden, haben gezeigt, dass bis zu 60 Prozent der gekauften Proben gefälscht waren. Die Präparate enthielten zu wenig oder keinen Wirkstoff oder waren im Gegenteil bis zu 200 Prozent überdosiert und enthielten oft giftige Beimischungen wie Schwermetalle.

Betroffen sind nicht mehr nur Lifestyle-Präparate wie Potenz-, Haarwuchsmittel oder Schlankmacher, sondern auch lebenswichtige Medikamente für die Behandlung von Herz-, Krebs- oder HIV-Patienten. Original und Fälschung sind auch von Fachleuten oft kaum noch zu unterscheiden.


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