"Geht mein Zahnarzt auf meine Ängste und Schmerzen ein? Und informiert er mich verlässlich über entstehende Kosten?" Seit kurzem können rund 37 Millionen gesetzlich Versicherte Auskunft zu ihren Erfahrungen beim Zahnarztbesuch geben. Die Ergebnisse der Befragung zu den 55.000 niedergelassenen Zahnärzten fließen in ein Internetportal ein, in dem Patienten nach einem passenden Arzt oder Zahnarzt suchen können.
Dr. BrigitteMohn,Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, sieht das Ziel des Portals "Weiße Liste" darin, "einen neuen Standard für die Online- Beurteilung von Medizinern zu etablieren – aussagekräftig, methodisch hochwertig und fair." Die Versicherten können sich mit den Angaben auf ihrer Versichertenkarte für die Online-Befragung registrieren. Der Fragebogen umfasst rund 40 Fragen zu den Bereichen "Praxis und Personal", "Arztkommunikation", "Behandlung" und "Gesamteindruck". Er ist der erste Fragebogen dieser Art, der gemeinsam mit Patienten wissenschaftlich entwickelt wurde und speziell auf die Fragen eingeht, die Versicherte bei der Zahnarztsucheinteressieren.
Auch Vertreter der Zahnärzteschaft waren in die Entwicklung einbezogen. Die Befragung erfolgt anonym und ist vor Manipulationen geschützt. Das Ausfüllen des Online- Fragebogens dauert nur wenige Minuten. Die Angaben der Versicherten sollen anderen Patienten bei der Zahnarztsuche helfen. Zugleich soll die Befragung fair für Zahnärzte sein. So verzichten die Projektbeteiligten etwa auf Freitextbeurteilungen, um Diffamierungen und unsachliche Kommentare auszuschließen.
Dr. Jürgen Fedderwitz, Chef der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, hält das neue Portal für seriös: "Es ist vergleichsweise gut gegen Missbrauch geschützt, und Beurteilungen kommen nach einem auf wissenschaftlichen Ansätzen beruhenden Verfahren zustande. Das erkennen wir an", sagt Fedderwitz. Kritischer sieht das der Freie Verband deutscher Zahnärzte. Dessen stellvertretende Bundesvorsitzende Dr. Timisoara Blaschke hält es für ein "Marketing-Tool im Wettbewerb der Krankenkassen um zahlende Mitglieder". "Den individuellen Nutzen für die Patienten können wir allerdings nicht erkennen", sagt Blaschke. (ard)