Alarmstufe Rot. Die Ergebnisse der aktuellen Deutschen Mundgesundheitsstudie IV (DMS IV, Erhebungszeitraum: 2005) sind erschreckend: Danach sind bereits 52,7 Prozent der Erwachsenen von mittelschweren und 20,5 Prozent sogar von schweren Verlaufsformen der Parodontitis (Zahnfleischentzündung) betroffen.
Legt man diese Zahlen zugrunde, benötigen circa 13 Millionen Deutsche eine dringende Behandlung. Denn: Parodontale Erkrankungen stellen in der zweiten Lebenshälfte die häufigste Ursache für Zahnverlust dar, warnt die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG).
"Doch dem kann heutzutage beim qualifizierten Spezialisten mit einer Vielzahl unterschiedlicher, hochmoderner und höchst erfolgreicher Therapieansätze begegnet werden", sagt Prof. Dr. Dr. Elmar Esser, Pressereferent der DGMKG.
Wie es zur Paradontitis kommt
Die Entstehung einer Parodontitis kann unterschiedliche Ursachen haben: Neben bakteriellem Zahnbelag und genetischer Veranlagung begünstigen verschiedene andere Faktoren wie Mundhygiene, Stress oder Rauchen eine Zahnfleischentzündung. Der Körper reagiert hierauf, indem er unter anderem Bakterien zerstörende Enzyme bildet.
Allerdings zerstören diese Enzyme nicht nur die Bakterien, sondern führen parallel zu einer Zerstörung von Eigengewebe. Dies mit dem Ergebnis von Zahnfleischbluten, Taschenbildung, Zurückgehen des Zahnfleischs, Verlust von Bindegewebe und Knochen und letztendlich Lockerung und Verlust der Zähne. Auswirkungen einer Parodontitis auf andere Organe mit daraus resultierenden Erkrankungen sind ebenfalls inzwischen erwiesen.
Bei einer sinnvollen Therapieplanung berücksichtigt Experten vorrangig die relevanten zahn- und patientenbezogenen Risikofaktoren, das Patientenalter, die parodontale Ausgangssituation sowie den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Moderne klinische Konzepte im erfolgreichen Einsatz gegen Parodontitis basieren grundsätzlich auf vier Stufen:
1.Phase:
Auf Basis der Anamnese und Diagnostik legt der erfahrene Facharzt die individuell am besten geeignete Therapie fest, führt eine professionelle Zahnreinigung (PZR) durch und gibt Betroffenen Mundhygieneinstruktionen zur unerlässlichen Mitarbeit Zuhause.
2.Phase:
Diese wird als "nichtchirurgische, kausale Parodontitistherapie" oder auch "antiinfektiöse Therapie" bezeichnet. Ziel dieser mechanischen Behandlung, die vorrangig mittels Küretten oder schall- bzw. ultraschallaktivierten Instrumenten die Wurzeloberflächen bearbeitet, ist die Reduktion der Keime.
3.Phase:
In dieser so genannten korrektiven Phase werden parodontalchirurgische Maßnahmen durchgeführt. Ob ein Patient diese zusätzlichen Maßnahmen benötigt oder im Rahmen einer lebenslangen unterstützenden Parodontitistherapie weiter betreut wird, hängt von Faktoren wie weiterhin tieferer Taschen von über sechs Millimeter und funktionellen, ästhetischen und/oder prothetischen Überlegungen ab.
Bei den meisten Parodontitispatienten kann erfahrungsgemäß bei entsprechend optimaler Vorbehandlung und korrekt durchgeführter antiinfektiöser Therapie weitgehend auf chirurgische Maßnahmen verzichtet werden. Sollten dennoch für die Langzeitprognose parodontal geschädigter, für die Kaufunktion und/oder Ästhetik strategisch wichtiger Zähne chirurgische Eingriffe notwendig sein, kann der versierte MKG-Chirurg auf eine große Bandbreite an Therapiemöglichkeiten zur Knochen- und Geweberekonstruktion zu und Geweberekonstruktion zurückgreifen.
4.Phase:
Diese letzte Stufe, die Erhaltungsphase, umfasst die unterstützende Nachsorge, die nach der aktiven Phase einsetzt.