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20.09.2012
Unglücksfälle bei Kindern und Jugendlichen
Interview mit Jürgen Uppenbrock, Regionalgeschäftsführer der Barmer-GEK Bielefeld

Jürgen Uppenbrock

Allein im Straßenverkehr verunglückten 2011 in NRW 7.050 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren, 13 davon tödlich, 1.160 schwer verletzt. Neben der großen psychischen Belastung, die dies für die betroffenen Familien bedeutet, stehen die Eltern von schwer verletzten Kindern und Jugendlichen auch oft vor vielen organisatorischen Fragen. Wer zahlt die Krankenhausbehandlung? Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? Und wie sieht die Zukunft aus, hat mein Kind zum Beispiel Anspruch auf Pflegeleistungen? NW-gesund sprach darüber mit Jürgen Uppenbrock, Regionalgeschäftsführer der Barmer-GEK Bielefeld.

Ein Kind wird nach einem Unfall in ein Krankenhaus eingeliefert. Wer übernimmt die Kosten?
Jürgen Uppenbrock:
Über die Kostenübernahme müssen sich die Eltern in einem solchen Fall keine Gedanken machen. Sind sie gesetzlich krankenversichert, übernehmen die Krankenkassen selbstverständlich die Kosten. Sollte sich im Nachhinein herausstellen, dass aufgrund der Haftungsfrage eine andere Stelle die Kosten für die Unfallfolgen trägt, bekommen wir die Kosten erstattet. Dies ist aber eine interne Abwicklung, mit der die Eltern sich nicht belasten müssen. Wenn schon bei der Aufnahme im Krankenhaus feststeht, dass eine andere Institution die Kosten der Unfallfolgen trägt, wird dies vom Krankenhaus entsprechend veranlasst. Ein Beispiel: Ist das Kind auf dem Schulweg verunglückt, gilt der gesetzliche Unfallversicherungsschutz und die Kosten werden dann von der Unfallkasse NRW übernommen.   Wichtig für uns ist es, dass die Eltern in dieser psychischen Ausnahmesituation nicht zusätzlich mit organisatorischen Dingen belastet werden.
  Die Behandlung von Unfallopfern ist ja oft sehr kostenintensiv. Welche Leistungen werden außer der Krankenhausbehandlung noch übernommen?
Uppenbrock:
Jeder gesetzlich Versicherte hat Anspruch auf Kostenübernahme aller Leistungen, die im Sozialgesetzbuch (SGB) V genannt werden. Hierzu zählen neben der Krankenhausbehandlung zum Beispiel Krankengymnastik, Hilfsmittel oder auch Anschlussheilbehandlungen. Auch bei diesen Leistungen gilt, dass die Gesetzliche Krankenversicherung die Kosten übernimmt und diese dann eventuell von dem Haftenden erstattet bekommt. Ausnahme auch hier ist die Situation, dass gesetzlicher Unfallversicherungsschutz vorliegt.

Gerade bei schwer verletzten Kinder und Jugendlichen folgt oft eine sehr lange Behandlung. Welche Unterstützung gibt es für die Eltern in dieser Zeit?
Uppenbrock:
Die Unterstützungsangebote an die Eltern sind sehr vielfältig. Viele haben zum Beispiel Fragen zum Behandlungsablauf. Hier stehen ihnen die Ansprechpartner im Krankenhaus beratend zur Seite. Wir bieten darüber hinaus unseren Versicherten die Möglichkeit, mit dem Team des Teledoktors, das rund um die Uhr zu erreichen ist, Aspekte der Behandlung zu besprechen. Bei besonderen Belastungssituationen können Eltern darüber hinaus Gesprächstherapien in Anspruch nehmen. Auch stellen wir auf Wunsch gerne Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe her.

Leider werden aufgrund von Unfällen auch Kinder und Jugendliche zu Pflegefällen. Haben diese Anspruch auf Pflegeleistungen?
Uppenbrock:
Ja, selbstverständlich haben auch Kinder und Jugendliche Anspruch auf Pflegeleistungen nach SGB XI. Sobald abzusehen ist, dass ein Kind oder ein Jugendlicher nach einem Unfall gesundheitliche Einschränkungen behalten wird, die eine Pflege notwendig machen, kann ein Antrag auf Pflegeleistungen bei der jeweiligen Krankenkasse oder – wenn zuständig – bei der Unfallkasse NRW gestellt werden.

Wie sieht es mit Schmerzensgeld aus?
Uppenbrock:
Bei Schmerzensgeld handelt es sich um einen zivilrechtlichen Anspruch. Das bedeutet, dass wir als gesetzliche Krankenkasse es den Eltern nicht abnehmen können, diesen Anspruch geltend zu machen. Hier müssen sich die Eltern selbst z. B. an die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners wenden.

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